Bild 2Bild 2Bild 2Bild 2Bild 2Bild 2Bild 2

Archiv für den 30. Juli 2007

Jul
30
Einsortiert unter (Allgemein) von traduction.allemand am 30.07.2007

Auf die Empfehlung von Frau Geilich, der Verantwortlichen im Gubener Touristenbüro, erlaubte ich mir, bei Andreas Peter zu klingeln.

Und siehe da, welch’ eine Überraschung: Als ich ihm die Geschichte vom Veloblog und dem Treffen mit den Bewohnern, um die Region kennen zu lernen, erzähle, schien er nicht mehr nach einem Wie und Warum fragen zu wollen und öffnete seine Tür. Er muss zwar noch einige Bücher, die er bei Ebay verkaufen will und die noch aus Zeiten der DDR stammen, sortieren. Aber nachdem er mir einen Kaffee angeboten hat, führt er mich durch die Straßen Gubins.

Gubin ist der polnische Teil der Doppelstadt. Dort befand sich früher das Stadtzentrum. Vor dem Krieg und der Grenze. Das alles ist eine lange Geschichte, die mir Andreas ausführlichst erzählt.

Alles beginnt ganz unvermeidlich bei der Stadt- und Hauptkirche. Sie prägt das Stadtbild und liegt direkt hinter dem Grenzübergang für Fußgänger. Eine polnische Stiftung und ein deutscher Unterstützerverein arbeiten zusammen, um das Bauwerk zu restaurieren. „Es ist nicht immer einfach, die Deutschen für die Kirche zu interessieren”, erklärt mir Andreas. „Viele denken, dass sie auf der anderen Seite liegt und sich deshalb die Polen darum kümmern müssen.“ Aber das ist kein Grund aufzugeben: vor kurzem hat mein Gastgeber ein Buch über das Bauwerk geschrieben. Auf deutsch. Die polnische Version ist in Arbeit. “Als die Russen kamen, haben die Deutschen kompromittierende Papiere in der Kirche verbrannt. Das war im April 1945. Das Dach ist dabei verschwunden und die Fenster sind geschmolzen.” Heute gewinnt der Dom ganz langsam wieder an Form (1, 2). Aber die Kosten sind hoch.

Andreas zeigt mir die Reste der Stadtbefestigungen: ein großer Turm aus dem 15. Jahrhundert, aber auch ein Tor und ein Stück Mauer. Letztere wurden vor etwa 150 Jahren neu gebaut. Aber dadurch, dass die Nachbarhäuser verschwunden sind, bekommen sie den Anschein eines gewissen Alters. Denn selbst wenn man die Spuren früherer Zeiten noch erkennen kann, wie zum Beispiel an den breiten Straßen, die dort verlaufen, wo einst der Stadtgraben war, so ist die Stadt selbst doch zu 80% verschwunden, zerstört im Zweiten Weltkrieg.

Die darauf folgenden Teilung war abrupt. „Es war der 20. Juni 1945, noch vor dem Potsdamer Vertrag“, erzählt mir Andreas. „Die Soldaten haben den Deutschen gesagt, sie sollten ihre sieben Sachen packen und auf die andere Seite der Neiße verschwinden. Manchmal haben sie ihnen auch die wertvolleren Dinge aus den Händen gerissen.” Und dann zeigt er mir die Reste der Holzbrücke, die einst die Neißeüberquerung ermöglichte.

Man findet Geschichte an jeder Straßenecke. Hier die Reste eines Ehrendenkmals Kaiser Wilhelms I. Dort ein Denkmal, das an den Standort der Synagoge erinnert, die 1938 verschwunden ist, hervorgegangen aus einer Kooperation der deutschen und polnischen Gemeinden und der Initiative von Andreas (1998). Und überall verstreut die Spuren von Industrieanlagen, die lange Zeit die Stadt beherrschten, besonders Hutmachereien und Tuchfabriken. Andreas erzählt mir die Geschichte Friedrich Wilkes, der mit seiner Erfindung, wie ein Hut bei Regen nicht in sich zusammensinkt, sehr erfolgreich war - und macht einen flachen Hut nach. Das Werk von Friedrich Wilke, um 1860 erbaut, war zu DDR-Zeiten noch in Betrieb, hat jedoch wie so vieles die Wiedervereinigung nicht überstanden. „Es gibt ca. 20% Arbeitslosigkeit in der Gegend, da sind aber die Menschen, die auf der Suche nach Arbeit die Region verlassen haben, noch nicht mit gezählt“, sagt Andreas.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete ein Großteil der Bevölkerung in der Kunstfaserfabrik. Um die 7200 Leute arbeiteten dort 1989, lerne ich in der 85. Frage des kleinen Stadtquiz von Andreas. Ein Abkommen zwischen Guben und Gubin machte es möglich, dass die polnischen Bürger mit dem Bus zum Arbeiten herüber kommen konnten. Das war eine Geste von Wilhelm Pieck, dem ersten Präsidenten der DDR, an die Bewohner von Gubin, wo man noch heute die komplett grüne Fassade seines Hauses, nicht weit von einer verlassenen Polizeistation, bewundern kann.

Mein Stadtführer ist unschlagbar. Andreas ist ein leidenschaftlicher Stadthistoriker und Kenner der Region. Er schreibt Bücher, veröffentlicht Karten von der Umgebung und stellt sogar Kalender mit alten Stadtansichten her. Der ausgebildete Historiker hat sogar seinen eigenen Verlag gegründet, den Niederlausitzer Verlag.

Das erzählt er mir beim Abendbrot, bei einem Glas Wein. Wir sitzen am Ufer der Neiße, mit Gartenmöbeln und Picknickkorb von Andreas. Der Zauber der Einfachheit und ein großartiges Panorama. Auf der anderen Seite versuchen junge Polen zu angeln. Links die Schützeninsel. Sie liegt auf der polnischen Seite, eine neue Brücke soll sie bald mit der deutschen Seite verbinden.

Ein kleiner Schritt, um Guben-Gubin als eine Einheit zu zeigen?



Jul
30
Einsortiert unter (Allgemein) von traduction.allemand am 30.07.2007

Klimawechsel hin oder her, ich muss Euch sagen, es ist Ende Juli und es schüttet aus Kübeln hier in der Gegend der Kohlegruben!

Einwohner lassen sich kaum blicken und die Sehnsucht, ins Warme zu kommen, steigt. Meine Ansprechpartner empfehlen mir das ehemalige Waisenhaus in Grießen. Hier soll es deutsch-polnische Projekte oder irgendwie so was geben.

Die Details erhalte ich vom örtlichen Verantwortlichen am nächsten Tag. Beim Frühstück. Das Waisenhaus wurde im Juni 2001 geschlossen. Es war zu teuer für diesen Bezirk, zwei Waisenhäuser zu unterhalten. Nun sind die Kinder in Spremberg.” Und seit einem Jahr wird dieser Ort wieder genutzt, von dem Verein Haus der Familie e.V., die ihren Sitz etwas weiter nördlich in Guben hat.
„Wir haben 24 Zimmer, einen Festsaal, eine eingerichtete Küche und Bungalows für die Familien“, sagt mir Hans Kremers. Und es stimmt, der Ort ist sehr nett, so versteckt im Grünen. Hans Kremers, der über sechzig ist, hofft, dass das Projekt die Aufmerksamkeit von Schulen und Fahrradtouristen, die die Neiße hinauffahren, auf sich zieht. Ein direkter Weg von den Fahrradpisten zum Familienzentrum ist schon geplant. Aber man warte noch auf Subventionen, und der Boden muss noch auf Bomben untersucht werden, die noch aus der Zeit stammen, als die Russen hier waren.

Und die berühmten deutsch-polnischen Projekte? „Das ist noch im Aufbau“, erklärt mir Hans Kremers. Man hat schon Kontakt zu den Deutschen aufgenommen, die Fahrradtouren in Polen organisieren …. Für eine Hand voll Euro. Ob er selbst einige Polen kenne? Nicht wirklich, er kam 1991 aus Düsseldorf hierher. „Natürlich werde ich viel mit der anderen Seite machen, aber deswegen die Mühe auf mich nehmen, die Sprache zu lernen…“ Aber vielleicht ändert sich das ja mit dem Schengener Abkommen.
Vielleicht….



  • Suche



Lustiger Spendenaufruf



  • Der Weg


    Karte

  • Véloblog empfehlen