Archiv für die ‘Allgemein’ Kategorie

Jul
20
Einsortiert unter (Allgemein) von traduction.allemand am 20.07.2007

Der Tag wird lang werden, aber Helga und Eberhard haben mir ein Superfrühstück in ihrem Garten bereitet: ihre Gastfreundlichkeit ist wirklich fantastisch, ich kann das Haus nur allen Durchreisenden der Region empfehlen!

Und es ist jetzt sicher, meine zwei Gastgeber werden heute Abend mit von der Partie sein, beim Begegnungstag in der Neißegalerie. Aber vorher muss ich mich eiligst auf den Weg machen: Helga hat ihrem Chef vom Veloblog erzählt, und jetzt erwartet mich der Direktor des Schlesischen Museums in seinem Büro. Markus Bauer hat begonnen, sich für Schlesien zu interessieren, nachdem ihn die Tatsache geärgert hatte, dass selbst in den 80er Jahren das Thema noch zum alleinigen Jagdrevier der konservativen Rechte gehörte. Der ausgebildete Historiker zeigt sich meinen Fragen ziemlich aufgeschlossen und erzählt mir die Geschichte des Schlesischen Museums.

Alles beginnt mit dem Wieso und Warum sich das Museum in Görlitz befindet: “eine sehr politische Frage”, warnt mich Markus Bauer, der Direktor des Museums, gleich zu Beginn. “Man ist sich nicht einig darüber, ob Görlitz zu Schlesien gehört oder nicht.” Und er erklärt mir die Beziehungen innerhalb der Region Oberlausitz, zu der Görlitz und Schlesien gehören, im Detail, nachdem wir einmal über Napoleon hinaus sind.

Dann stellt mir der Museumsdirektor den Vorgang dar, der zur Eröffnung eines Museums über Schlesien führte: “Alles begann in den 50er Jahren, mit den aus Schlesien vertriebenen Deutschen, aus einem Gebiet, das heute zu Polen gehört. Die Schlesier, wie man sie nennt, haben in den neuen deutschen Städten, in die sie vertrieben wurden, sogenannte “Heimatstuben” gegründet. Man traf sich zu Hause oder in einem Café… oft gemäß dem Herkunftsort. So gab es zum Beispiel in Köln eine Heimatstube der großen Gemeinde aus Breslau (Wrocław). In den 70ern entwickelte sich eine Debatte über die Zukunft der Heimatstuben und anderer kleiner örtlicher Museen, die sich der schlesischen Kultur widmeten: was sollte aus ihnen nach der ersten Generation von Vertriebenen werden?”

So entstand der Wunsch, ein zentrales Museum zu eröffnen. Zu Beginn war Hildesheim, nicht weit von Hannover, im Gespräch, da in dieser Region viele Schlesier leben. Dann wurde Gerhard Schröder an der Spitze von einer rot-grünen Koalition Ministerpräsident von Niedersachsen und setzte dem Projekt ein Ende. “Das Museumskonzept war damals ziemlich fragwürdig, da es die Schlesier als ein Volk im Exil darstellte”, bemerkt Markus Bauer. “Ein Museum für zeitgenössische schlesische Kunst stand auch auf dem Plan, hätte die schlesische Gemeinschaft aber stärker als alles andere in sich selbst abgeschottet. Die Kinder der Schlesier fühlen sich aber nun vor allem bayrisch, sächsisch usw.” Kurz, das Projekt für ein Museum in Hildesheim ist ins Wasser gefallen.

Die Idee für ein zentrales Museum über Schlesien wurde nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wieder aufgenommen und in Görlitz wurde ein Verein gegründet, der rasch die Unterstützung von Seiten des Bundes erhielt und nach einigen Diskussionen auch die des Landes Sachsen. 1994 wurde eine Stiftung ins Leben gerufen, 1999 begannen die Arbeiten und letztes Jahr wurde das Museum eröffnet. “Viele Schlesier, die am Ende des Zweiten Weltkrieges vor der Roten Armee geflohen waren, sich hier auf der anderen Seite der Neiße niedergelassen hatten und vorhatten, in ruhigeren Zeiten wieder in ihre Herkunftsregion zurückzukehren, haben ihre Unterstützung gezeigt, oder sagen wir besser, ihre Kinder haben ihre Unterstützung gezeigt”, berichtet Markus Bauer. Kurz, das Schlesische Museum scheint in Görlitz auf dem Marktplatz willkommen zu sein. Laut dem Direktor “Heimatmuseum”.

Die Sammlung des Museums erlaubt es, die schlesische Kultur und Geschichte der letzten 100 Jahre zu zeigen. “Wir haben viele Schenkungen von Schlesiern erhalten”, erklärt Markus Bauer. “Viele haben ihre Haustürschlüssel aufbewahrt, die Kleidung, die sie beim Übertritt über die Grenze trugen, ihre Koffer, usw. Und oft wollen die Kinder nichts mehr über Schlesien hören, sie, die während ihrer gesamten Kindheit gehört haben, wie schön Schlesien ist, wie traumatisierend die Vertreibungen waren, usw.” Ergebnis: die Erinnerungsstücke landen in der Sammlung des Schlesischen Museums. “Das Museum hat sich zwei Schwerpunkte gesetzt”, führt Markus Bauer genauer aus. “Zum einen wollen wir den Kontakt zu den Schlesiern pflegen, die seit 1945 in Deutschland leben, und zum anderen den zu den Polen, die diese Region nach dem Krieg wieder besiedelt haben und die oft selbst aus der Grenzregion zwischen Polen und der Ukraine vertrieben wurden. Wir wollen ihnen Zeit geben, sich in der Region zu Hause zu fühlen, nachdem sie lange Zeit Angst, vor einer Rückkehr der Deutschen hatten. Aber jetzt ist das Interesse für die Geschichte von Schlesien da!”

Kann man ab diesem Zeitpunkt von einem gewissen grenzübergreifenden Bewusstsein sprechen, Schlesier zu sein? “Schwer zu sagen”, antwortet mir Markus Bauer. “Aber manchmal, bei Treffen zwischen ehemaligen Schlesiern und neuen Bewohnern des jetzt polnischen Gebietes, vermischen sich die Erinnerungen. Einige stellen fest, dass sie auf die selbe Schule gegangen sind, in der selben Straße gewohnt haben, usw. Daher kann man von einer gewissen Einheit über die Grenzen hinweg sprechen. Aber es ist noch nicht sehr weit verbreitet.”

Ein Besuch der Museumssammlungen, die auf deutsch und polnisch gezeigt werden, würde es sicher erlauben, mehr zu erfahren! Ich muss wirklich wiederkommen…warum nicht diesen Winter, um die Ausstellung über das schlesische Porzellan zu sehen!



Nachdem ich mich mit der Partnerorganisation “Wir°My” getroffen habe, um die letzten Vorbereitungen für die Rallye in Görlitz-Zgorzelec zu treffen, mich in der Neißegalerie vorgestellt habe und beim Flyer Verteilen mehrfach die Frage zu hören bekam “Sind Sie die Französin von der Zeitung?”, sitze ich jetzt einem jungen Kommunikationstrainer gegenüber, Jörg Heidig, Diplom-Kommunikationspsychologe und Mitarbeiter des Instituts für Kommunikation, Information und Bildung” in Görlitz.

Der junge Intellektuelle war mir von Rebecca empfohlen worden - meiner ersten Gastgeberin in Großhennersdorf - weil er gerade seine Doktorarbeit darüber schreibt, wie sich Deutsche, Polen und Tschechen selbst und gegenseitig einschätzen. Der Blick des Anderen auf den Anderen in der Euroregion Neiße, auf Grundlage einer Stichprobe von fünfzehn bis zwanzig Personen pro Land. “Mein Ziel ist es, das Verständnis und damit die Kommunikation zwischen den drei Ländern zu verbessern”, so Jörg Heidig. “Im Moment gibt es zwar Kooperationen, aber die sind mehr oktroyiert als spontan.”

Derzeit steht er am Anfang der Empiriephase seiner Dissertation und befragt die Deutschen über ihr Bild von sich selbst, den Polen und den Tschechen. “Man findet wirklich die alten Stereotypen wieder, wie etwa, dass die einen wie die anderen arm, aber herzlich und gastfreundlich sind. Viele Deutsche fühlen sich den Tschechen näher als den Polen. Vielleicht, weil die Tschechen lange im deutschen Sprachbereich gelebt haben”, meint Jörg Heidig.

Nach den ersten Interviews scheint der EU-Beitritt Polens und Tschechiens im Mai 2004 zwiespältig beurteilt zu werden. “Die einen finden es gut, seit der EU-Erweiterung weniger am Rand zu leben, die anderen fürchten einen Anstieg der Kriminalität, des Drogenhandels und der Autodiebstähle.” Und auf die Frage, ob eines Tages die Grenze verschwinden wird, bekommt er oft ein Nein, denn die Sprachbarriere bleibe ja sowieso…



Jul
19
Einsortiert unter (Lech, Zgorzelec, Görlitz, Görlitz-Zgorzelec, Allgemein) von traduction.allemand am 19.07.2007

…war ein Lech, ein kleines, da die Sonne heiß brannte!

Zusammen mit den drei polnischen Radfahrern, die ich unterwegs getroffen habe, bin ich in Zgorzelec angekommen. Es sind Mirek und seine Kollegen von der Notaufnahme eines Krankenhauses in Zgorzelec. Ich stottere ein bisschen auf polnisch und lerne, dass Lech, dessen riesige 0,66l-Flaschen praktisch an jeder Ecke serviert werden, aus Poznan kommt.



Jetzt schreibe ich gerade aus dem “Ratskeller”, dem ehemaligen Restaurant des Rathauses. Das Haus, derzeit unbewohnt - das heißt “zu vermieten” - liegt am Rathausplatz von Ostritz. Es ist schon eine eigenartige Erfahrung, jede Nacht woanders zu schlafen, von einem Kloster zu einem leer stehenden Haus zu wechseln. Ziemlich fasziniert von diesem Ort habe ich einen kleinen Rundgang gemacht, mit dem Fotoapparat in der Hand… Bilder (2,
3, 4, 5)
Schließlich ist auch das ein Element der Grenzregion, all diese Gebäude voller Geschichten, aber praktisch ohne Inhalt!

Den Schlüssel zu diesem Haus bekam ich freundlicherweise gestern von Gregor Glodek, der im Vereinshaus der kleinen Stadt sitzt und mir gerne deren Aktivitäten vorstellt. “Alles fing kurz nach der Wiedervereinigung an, ausgehend von persönlichen Kontakten, die auf beiden Seiten der Grenze bestanden”, erklärt er mir. “Wir wollten die bestehenden Grundannahmen besiegen, die alten Vorurteile so weit wie möglich auslöschen.”

Heute vereinigt das Vereinshaus mehrere Initiativen zur Kooperation zwischen den Nachbarländern unter seinem Dach. Hier ist der deutsch-polnische Kindergarten “Kinderhaus St. Franziskus” mit etwa zehn Kindern aus beiden Ländern, dort ein deutsch-polnisches Theater, das in beiden Sprachen 7-14jährigen Kindern die Kunst der Pantomime beibringt. Und das ist noch lange nicht alles! Einmal im Jahr fährt Gregor Glodek mit etwa zehn deutschen Gymnasiasten nach Polen, um mit dem Segelboot die Region Masuren zu erkunden. “Ohne es wirklich zu merken, bekommen die Jugendlichen auf diese Weise ein anderes Bild von Polen. Sie sehen es nicht mehr nur durch die Ramschläden entlang der Grenze, sondern entdecken es aus dem Inneren heraus.”

Schließlich organisiert das Vereinshaus Ostritz seit mehr als zehn Jahren die berühmten “Europawanderungen”: um die 40km, um in 3 bis 4 Stunden die drei benachbarten Länder Deutschland, Polen und Tschechische Republik zu entdecken. “Unser Ziel ist es, die Region als Einheit zu präsentieren, die Bewohner einzuladen, miteinander statt nebeneinander zu leben”, antwortet Gregor auf meine Frage nach dem Warum des Wie. “Der Fluss soll seine ursprüngliche Funktion wieder bekommen, uns zu verbinden und nicht zu trennen.” Und er fügt hinzu: “Wir haben mit einer Handvoll Leuten begonnen, und jetzt kommen fünf- bis sechshundert Teilnehmer aus ganz Deutschland mit uns!” 2003 bekamen die Wanderer sogar eine Sondergenehmigung, die Neiße bei Hagenwerder (nördlich von Ostritz) zu überqueren, obwohl die fragliche Brücke noch nicht in Betrieb war…

Gregor Glodek ist der einzige Vollzeitmitarbeiter des Vereinshauses für die Organisation all dieser Aktivitäten. Seine vielen Partner sind ehrenamtlich tätig, und wenn er auch nicht direkt den Wunsch danach äußert, so scheint er doch keineswegs abgeneigt zu sein, einige richtige Kollegen zu bekommen, um den Berg an Arbeit zu bewältigen…



Kleine organisatorische Pause: schließt Euch für eine Weile dem Veloblog an, in der Doppelstadt Görlitz-Zgorzelec, dort erwartet Euch ein furioses Programm (mit einem kleinen Klick oben links auf “Detailliertes Programm” erfahrt Ihr mehr). Alles ist kostenlos, aber kleine, liebevoll zubereitete Speisebeiträge sind sehr willkommen… für das Selbstversorgerbuffet des Abends!

Bemerkenswert: Elkin und Barbara, die ich in Großhennersdorf getroffen habe (siehe den Artikel über das Begegnungszentrum), kommen auch und werden eine Pantomimevorführung zum Thema “Grenze” darbieten…

Mehrere der Menschen, die ich auf der Reise getroffen habe, von den Schweizern aus Zittau bis zum Dönermann aus Ostritz, werden auch da sein… Also warum nicht auch Ihr?

Treffpunkt im Forum der Website für Fahrgemeinschaften und geteilte Bahntickets.

Gute Fahrt und bis bald: Ich muss mich jetzt auch auf den Weg machen.



Jul
18
Einsortiert unter (Bahnhof Ostritz, Züge, Schengen, Ostritz, Grenzübergang, Görlitz-Zgorzelec, Zittau, Allgemein) von traduction.allemand am 18.07.2007

Uwe Rada hatte es mir ja gesagt: Der Bahnhof Ostritz ist ein deutscher Bahnhof auf polnischem Territorium. Was auch immer das heißt…

Entschlossen, mehr darüber zu erfahren, bin ich dorthin gefahren, um mit den Grenzbeamten zu sprechen. Der eine ist Deutscher, der andere Pole: Das ist der “one-stop”, erklären sie mir, eine gemeinsame Kontrolle, die allen Beteiligten Zeit spart - und das für den Zolldienst vorgesehene Budget beider Staaten entlastet.

Beide sind mit der Überwachung der kleinen Fußgängerbrücke über die Neiße betraut, die Ostritz mit seinem Bahnhof verbindet, der seit 1945 und der neuen Grenzziehung in Polen liegt. Ironie der Geschichte. “Unglaublich, aber wahr, auch hier muss sich Deutschland um den Grenzschutz kümmern. Wir sind hier für eine der berüchtigten Außengrenzen des Schengener Raums zuständig”, erzählt mir der deutsche Beamte nicht ohne eine gewisse Bosheit in den Augen. “Wir kontrollieren hier, um sicher zu sein, dass keine Rumänen oder Ukrainer einfach so in den Schengener Raum herein kommen.” Und er fügt hinzu, dass ab Herbst 2008 Polen die Verantwortung übernehmen wird. “Wir werden den Kollegen gerne noch ein wenig länger helfen, bis alles in Gang gekommen ist.”

Die wichtigste Aufgabe dieser Herren besteht darin, die Passagiere zu kontrollieren, die zwischen Bahnhof und Stadt hin- und hergehen. Denn die deutschen Züge, die seit mehr als 130 Jahren durch das Neißetal zwischen Zittau und Görlitz fahren, kümmern sich herzlich wenig um die Grenze und halten eben auf polnischem Boden, um den Bahnhof von Ostritz anzufahren. Mit dem Ergebnis, dass die Passagiere sowohl beim Ein- wie auch beim Aussteigen kontrolliert werden.

Glaubt also nicht, ihr könntet auf die letzte Minute noch in den Zug springen, sondern rechnet lieber ein paar Minuten mehr ein, um diese Absurdität kennen zu lernen und das Konzept der aufgelösten Grenze im Schengener Raum zu relativieren.



Jul
18
Einsortiert unter (Euroregion Neiße, PONTES, Ostritz, Kloster Sankt Marienthal, Allgemein) von traduction.allemand am 18.07.2007

Dieses Mal habe ich im Kloster Sankt Marienthal Zuflucht gefunden. Das riesige Zisterzienserkloster, direkt am Ufer der Neiße gelegen, hat stark zur Entwicklung der Grenzstadt Ostritz beigetragen, allerdings selbst nur wenig mit der Grenze zu tun.

Diese Niederlassung, die seit dem 13. Jahrhundert besteht, derzeit mitten in Renovierungsarbeiten steckt und in der noch vierzehn Schwestern leben, bietet Durchreisenden ein Dach über dem Kopf. Abgesehen von der Ruhe des Ortes, der Bibel auf dem Nachttisch und dem kleinen Jesus an der Wand ist der Unterschied zu einer Pension nicht sehr groß.

Ein für Veloblog interessanter Punkt ist allerdings das Projekt PONTES, das auch im Kloster untergebracht ist. Es gehört zum internationalen Begegnungszentrum desselben und organisiert trinationale Begegnungen in der Euroregion Neiße. “Die Organisation wurde 2002 mit dem Beginn des Programms ‘Lernende Regionen‘ des deutschen Bildungsministeriums gegründet”, erklärt mir Claudia Meusel freundlich. “PONTES entwickelt Projekte, um die Region zu entwickeln und den Bewohnern zu helfen, hier Arbeit zu finden, Männern wie Frauen.” Weitere PONTES-Zweigstellen gibt es in Polen und der Tschechischen Republik; sie beteiligen sich an der Koordinierung der verschiedenen Projekte. Seit dem EU-Beitritt und einer vereinfachten Subventionsvergabe zeigen laut Frau Meusel Polen und Tschechen immer größeres Interesse. Und dann erzählt sie leicht amüsiert, wie die gemeinsame Arbeit vonstatten geht: “Die Deutschen sind immer sehr korrekt, machen für alle Welt Kopien und sind sehr pünktlich. Die Tschechen und vor allem die Polen sind viel entspannter. Die Arbeit wird gemacht, aber manchmal muss man das Ganze fünfmal wiederholen!” Im Gegenzug beherrschen immer mehr Polen und Tschechen die Sprache Goethes. Vielleicht, weil die Begegnungen meist im Kloster Sankt Marienthal stattfinden, wegen der dort vorhandenen Ausstattung?

PONTES ist derzeit mitten in einer Umstrukturierungsphase. Das Programm “Lernende Regionen” ist ausgelaufen, nun müssen Abschlussberichte verfasst und neue finanzielle Unterstützungen gefunden werden. Aber Frau Meusel macht sich keine Sorgen, das Abenteuer wird weitergehen, die vierzehn Beschäftigten von PONTES und ihre Partner werden sich weiter verausgaben, um Projekte zur Dynamisierung der Euroregion Neiße zu organisieren.



Jul
17
Einsortiert unter (Ostritz, Posada, Radweg, Kloster Sankt Marienthal, Grenzübergang, Allgemein) von traduction.allemand am 17.07.2007

Jetzt kennt ihr meine Stimmungsschwankungen. Vielleicht eine etwas lebendigere Art, Euch die beiden möglichen Routen zwischen Zittau und Ostritz, einer kleinen Stadt etwas weiter nördlich an der Grenze, vorzustellen. Mit einer Anekdote im Vorbeifahren…

Auf deutscher Seite gibt es einen Radweg entlang der Neiße, wo man im Schatten und im Flachen mitten durch den Wald fahren kann. Toll!

Auf polnischer Seite gibt es keinen Radweg, aber eine gut ausgebaute, wenig befahrene Straße. Das erlaubt es einem, das wirtschaftliche Herz der Region kennen zu lernen, allerdings muss man einige kleine Steigungen in Kauf nehmen. Aber wer hochfährt, fährt auch wieder runter. Und der Ort Posada, nicht weit von der Neiße, ist so malerisch, dass sich der Umweg lohnt.

Und falls es unmöglich sein sollte, vom besagten Dorf aus die Neiße zu überqueren, um das Kloster Sankt Marienthal zu erreichen, dann gibt es immer noch einen kleinen Waldweg, der einen zum nächsten Grenzübergang in Ostritz führt. Das haben mir einige Polen aus ihrem Vorgarten heraus versichert. “Die Grenze? Geradeaus und dann links.”

Mir kommen leichte Zweifel, als ich den Weg zum Pfad werden und die Mücken heranschwärmen sehe, und ein kurzes Gedenken an meine Polnischlehrerin in der Hoffnung, alles richtig verstanden zu haben. Denn es wird langsam dunkel… und ist da nicht am Wegesrand… oh Graus, eine kleine Blindschleiche wird von Fliegen verzehrt! Ich stoße kleine Schreie aus: die Panik steigt, die Phobie ist nicht weit! Ich glaube, ich bin noch nie so schnell gefahren, im Wald und mit halbgeschlossenen Augen.

Ein kleiner Durchdreher, der mir allerdings gestattet hat, den Grenzübergang für Fußgänger und Fahrradfahrer in Ostritz um zwei Minuten vor acht zu erreichen, und um acht schließt er…



Jul
17
Einsortiert unter (Elektrizitätswerk, Hirschfelde, Tagebau, Bogatynia, Regionalarchitektur, Turów, Allgemein) von traduction.allemand am 17.07.2007

Ein wenig aus der Fassung gebracht von dem “Loch”, wandern meine Gedanken. Ach, was wäre es praktisch, einen Grenzübergang zu haben, um “nach drüben” zu kommen, nach Hirschfelde, um etwas über das ehemalige E-Werk zu erfahren. Eine Brücke ist zwar tatsächlich in Planung, lässt aber noch auf sich warten.

Gedankenverloren habe ich mich doch jetzt auch noch auf der Straße verfahren! Viel zu weit östlich der Grenze komme ich auf einmal nach Bogatynia. Bis ich merke, dass ich keinen Pfennig mehr habe, um meine Flasche aufzufüllen. Keinen einzigen Zloty. Was für eine Gedankenlosigkeit! Glücklicherweise ist der nächste Geldautomat nicht weit und ich kann mein erstes polnisches Geld abheben, dank meiner EC-Karte und ohne Gebühren, Europa verpflichtet eben.

Mit aufgefülltem Vorrat nutze ich dann noch die Gelegenheit, die Stadt zu besichtigen und mir die vielen Häuschen im regionaltypischen Stil anzusehen (”Umgebindehäuser”)… und weitere Infos zu erfragen über die Schlote bei Turów (2, 3).

Die Antwort gibt der Hausmeister der Bioraffinerie von Bogatynia:
polonaismp3



Jul
17
Einsortiert unter (Elektrizitätswerk, Tagebau, Bogatynia, Turów, Allgemein) von traduction.allemand am 17.07.2007

Es ist der große graue Fleck auf der Landkarte, der mich dazu gebracht hat, die Grenze zu überqueren. Ich wollte sie sehen, den Kohle-Tagebau von Turow, selbst unter dieser brennenden Frühnachmittagssonne.

Sie haben nämlich eine ganz schön lange Geschichte, diese Minen: mehr als 200 Jahre! Der Abbau, in dem heute mehr als tausend Menschen beschäftigt sind, befindet sich auf polnischer Seite in Turoszow, ehemals Türchau in Deutschland. 1945 bedingte die Einrichtung der “Friedensgrenze” einen Wechsel der Leitung. Die Minen wurden polnisch. Mehr als 300 deutsche Arbeiter sollen entlassen und durch Polen ersetzt worden sein. Vor dem Bau des Elektrizitätswerks Turow, nördlich von Bogatynia (Polen), wurde der Strom auf deutscher Seite in Hirschfelde erzeugt und dann nach Polen weitergeleitet. Reichlich Anlass für Ressentiments!

Nichtsdestotrotz bleibt dieser Ort unbeschreiblich. Ein riesiges Loch von mehr als 2600 Hektar. Stellt euch das nur mal vor! Es ist ganz einfach unmenschlich, wie eine Wüste, aber keine natürliche. Trotz der brennenden Sonne habe ich noch immer Gänsehaut davon und lasse Euch den Rest in Bildern (2,
3, 4, 5, 6)
entdecken. Die Hartgesottensten können selber hinfahren und nach einer Führung fragen. Die Umweltbibliothek von Großhennersdorf macht es möglich…



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