Archiv für die ‘Allgemein’ Kategorie

Jul
17
Einsortiert unter (Basar, Grenzübergang, sieniawka, Zittau, Allgemein) von traduction.allemand am 17.07.2007

Jetzt ist es soweit, ich stehe vor meinem ersten Grenzübergang! Ich durchwühle meine ganze Tasche, um meinen Pass zu finden, der dann nicht einmal einen Stempel bekommt… Kurzum: Das Abenteuer geht weiter, diesmal auf der polnischen Seite in Sieniawka. Vor dem Basar, der sich vor meinen Augen ausbreitet, entscheide ich, die Klischees zu überprüfen.
Begegnung mit einem deutschen Verbraucher, vor Ort getroffen:
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Begegnung mit einer polnischen nicht Zigaretten, sondern Obst- und Gemüsehändlerin:
polonaismp3



Jul
17
Einsortiert unter (Oberlausitz, Stiftung Umgebindehaus, Regionalarchitektur, Allgemein) von traduction.allemand am 17.07.2007

Ich hatte sie schon bemerkt, diese hübschen Häuschen, die häufig im alten Zentrum der Dörfer dieser Gegend stehen. Aus Holz und Lehm, umweltfreundlicher geht es nicht! Sehr hübsch, aber häufig auch leerstehend und/oder renovierungsbedürftig.

Rebecca hatte sie mir vorgestellt als die Häuser der Weber der Region, denn ihre Bauweise war an die Erschütterungen des Webstuhls angepasst. Aber was zuerst da war, die Häuser oder die Webstühle, das weiß keiner.

Marek, aus der Zittauer WG, hat sich buchstäblich in diese Häuschen verliebt, die “Umgebindehäuser” heißen. Er unterstützt Die Stiftung Umgebindehaus, die auf die Erhaltung dieses Kulturerbes achtet. Zur Zeit gibt es etwa 20 000 dieser Häuser nicht nur in der deutschen Oberlausitz (der Teil Sachsens zwischen Weißwasser, Bischofswerda, Zittau und Görlitz), sondern auch in Polen (südlich der Neiße) und im Norden der Tschechischen Republik.

Das Problem, so erklärt mir Marek, während er mich auf dem Fahrrad bis zum nächsten Grenzübergang begleitet, ist, dass nur wenige Menschen in die Region ziehen, um hier zu arbeiten, und dass diejenigen, die hier bleiben, meist keinen Arbeitsvertrag haben, der ihnen erlauben würde, ein solches Haus zu kaufen. Und das tut ihm im Herzen weh. Die Häuser sind dabei zu verfallen, langsam aber sicher. Zwischen Löbau und Zittau zum Beispiel wurden 5000 Häuser gelistet, 4750 sind als historisches Denkmal klassifiziert, aber 375 stehen leer. Ein Stück Geschichte, dass zu verschwinden droht… Daher auch die Initiative einer “Hausbörse”, die die Stiftung Umgebindehaus ins Leben gerufen hat. Derzeit stehen etwa 100 hübsche Häuschen zum Verkauf: Also macht Marek doch eine Freude!



Jul
16
Einsortiert unter (Konschak, Zittau, trinationale Universität, IHI, Internationale Hochschulinstitut, Allgemein) von traduction.allemand am 16.07.2007

Nicht weit vom Zittauer Rathaus zeigt das Internationale Hochschulinstitut - besser bekannt als IHI - sein europäisches Gesicht. 1993 beschlossen fünf Hochschulen aus Deutschland (Zittau/Görlitz, Freiberg), Polen (Wrocław, Gliwice) und der tschechischen Republik (Liberec) zusammenzuarbeiten, um eine qualitativ hochwertige Lehre für Studierende anzubieten, die bereits das Äquivalent eines Bachelorabschlusses in ihrem jeweiligen Land besitzen. Eine trinationale Universität voller Ehrgeiz!

Wiederum handelt es sich um ein Projekt, das sich kurz nach der deutschen Wiedervereinigung nicht um Grenzen schert. Man muss dazu sagen, dass das Hochschulwesen - wie auch das sekundäre Bildungswesen - in Ostdeutschland völlig umgestürzt wurde. In einigen Regionen, wie z.B. Brandenburg, bekamen fast alle Hochschulen der Ex-DDR den Status von Universitäten, in anderen dagegen wurden sie um einen Grad herabgestuft, wie z.B. die Technische Hochschule Zittau, die seitdem einen Fachhochschulähnlichen Status hat. Es bot sich daher an, eine universitäre Präsenz in der Region zu schaffen. Und wie auch Rebecca diese Wochenende bemerkte, wurden sich die drei Länder schon Anfang der 90er Jahre der Bedeutung für die Region bewusst, die eine Zusammenarbeit im Bereich der Ökologie hat nach den politisch gewollten Industrieunternehmungen, von denen eine verheerender als die andere für die Umwelt war. Meine Gastgeberin hatte mir erklärt, dass zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung die tschechischen Wälder in einem Massensterben begriffen waren, weil der Regen durch die benachbarten Fabriken unglaublich verseucht war. Kurzum, alles war sich einig, das IHI aus der Taufe zu heben.

Ich habe sogar noch mehr erfahren über die Funktionsweise dieser Miniuniversität, nachdem ich die Sekretärinnen überzeugen konnte, mir auch ohne vorher vereinbarten Termin ein Gespräch mit einem der Verantwortlichen zu ermöglichen…
Und so breitet Frau Konschak, die Verwaltungschefin, eine ganze Reihe beeindruckender Zahlen vor mir aus: 80% der Studierenden sind Ausländer, davon 60% Polen, aber es gibt auch viele Tschechen und Deutsche und noch andere, neun verschiedene Nationalitäten. Lediglich 300 Studierende werden pro Jahr angenommen, sorgsam ausgewählt von ihren Heimatunis: “Eliteuni verpflichtet”, gibt man mir zu verstehen.

Das IHI ist die fünfte sächsische Universität. Eine öffentliche Hochschule mit geringeren Kosten für die Studierenden, denn der Semesterbeitrag hält sich in Sachsen noch in Grenzen (um die 50€ pro Semester). Das IHI ist für ausländische Studierende attraktiv, weil sie ein Stipendium bekommen, um die Lebenshaltungskosten in Zittau auszugleichen, sagt mir Maxi, deutsche Studentin am IHI. Maxi kommt aus Thüringen. Wie die anderen Studenten des IHI hat sie ihr Studium an einer anderen Universität begonnen, bevor sie ans IHI kam. “Die Studierenden, die hierher kommen, haben schon eine Grundausbildung, sie kommen, um sich zu spezialisieren, um einen deutschen Universitätsabschluss zu bekommen”, erklärt Frau Konschak, um dann den trinationalen Mechanismus zu verdeutlichen: “Der Unterricht findet in deutscher Sprache statt, deren Beherrschung ist daher eine conditio sine qua non für die Ausländer. Was die Deutschen betrifft, so lernen sie entweder polnisch oder tschechisch.” Maxi hat tschechisch gewählt: Vielleicht wegen Prag, das weiß sie nicht so genau. Mit einem Lächeln erklärt sie, wie die interkulturelle Ausbildung vor sich geht: “Wir lernen den anderen verstehen, die kulturellen Unterschiede. Beispielsweise erklärt man uns, dass die Deutschen tatsächlich die Arbeit vom Rest trennen, während die Polen und auch die Tschechen mit ihren Arbeitskollegen viel von ihrem Privatleben und ihrer Familie reden.” Und lachend fügt sie hinzu, dass selbst im Unterricht die tschechischen und polnischen Studenten viel lachen und reden. “Die interkulturelle Ausbildung erlaubt es, die Unterschiede zu verstehen und sich besser verhalten zu können, z.B. beim Geschäfte machen, bei Vertragsabschlüssen und so”, sagt Frau Konschak.

Das Abenteur dauert sechs Semester und soll den Absolventen ermöglichen, leicht ein schönes Plätzchen an der Sonne zu finden, auf der einen oder anderen Seite der Grenzen.



Jul
16
Einsortiert unter (Schkola, Partnerschule, Hartau, drei Länder Ecke, Allgemein) von traduction.allemand am 16.07.2007

Nun bin ich südlich von Zittau, dort, wo deutsch-polnische und deutsch-tschechische Grenze sich schneiden und der Region den Spitznamen “Dreiländereck” eingetragen haben. Genauer gesagt, in der Grundschule des Dorfes Hartau (450 Einwohner), deren Leiter ich beim Frühstück getroffen habe, in der Alten Bäckerei von Großhennersdorf

Die Kinder spielen in der Sonne im Garten, die Ranzen sind im Klassenzimmer geblieben: Die großen Ferien nahen. Einige Kilometer von hier, auf der tschechischen Seite, haben die kleinen Schüler der Partnerschule schon seit Anfang des Monats Ferien. Die nächsten “Begegnungstage” werden zu Beginn des nächsten Schuljahres stattfinden.

Hier, in der “Schkola“, läuft alles ein bisschen anders. Die Frontalsituation zwischen Lehrer und Schülern gibt es nicht, die Kinder sind nicht nach Alter in Klassen aufgeteilt, und dann arbeitet man auch mit dem Nachbarland zusammen, also der Tschechischen Republik. Einmal in der Woche wird die Grenze überquert, von der einen oder anderen Seite. “Früher gaben wir den Grenzbeamten eine Liste der Schüler, das reichte, aber jetzt ist es wieder ein bisschen komplizierter”, erklärt Kristin, Klassenlehrerin einer der vier Klassen der Schule. “Die Kinder dürfen ihren Ausweis nicht vergessen, sonst müssen sie in der Schule bleiben.” Aber deswegen wird die Grenze noch lange nicht als Last empfunden: “Wir überqueren die Grenze so oft, das ist schon nichts besonderes mehr.”

Und die Schkola hat mit ihrem Start nicht bis zum EU-Beitritt der tschechischen Republik (Mai 2004) gewartet. Die Idee kam schon nach der Wiedervereinigung, als das deutsche Schulsystem in Ost und West verbindlich wurde. “Das Sortieren der Kinder gefiel uns nicht”, sagt Mike, der Leiter der Schule. “Und wir wollten mit unseren Nachbarn arbeiten. Seitdem gibt es vier private Schulen in der Gegend, die eine Kooperation mit einer polnischen oder tschechischen Schule haben.”

Das Lernen der Sprache des Nachbarn steht ebenfalls auf dem Programm. In Hartau lernen die 88 teilnehmenden Schüler also tschechisch, mit drei Wochenstunden. “Ich vermittle ihnen im Alltag nützliche Wendungen”, meint Kamil, muttersprachlicher Tschechischlehrer, der seit Gründung der Schule 1999 Teil des Teams ist. “Und am Ende der vier Jahre in der Schkola sind die Kinder in der Lage, mich zu verstehen.” Kamil gibt auch Abendkurse für die Eltern. Mehrere Familien haben schon Kontakte in die tschechische Republik geknüpft, und die Tatsache, dass die Kinder die Sprache lernen, ist manchmal eine Anregung für die Eltern, erklärt man mir. Aber es kommt ebenso häufig vor, dass die Kinder häufiger “nach drüben” gehen als die Eltern. Meistens sind die Anmeldungen auch mehr von der freien Lehrmethode motiviert als von der Partnerschaft mit dem Nachbarstaat, wie ich erfahre. Aber die Kinder stellen sich natürlich nicht so viele Fragen und versuchen einfach, während der wöchentlichen gemeinsamen Arbeit mit den Kameraden des Nachbarlandes zu kommunizieren… Nächster Termin also im neuen Schuljahr, und jetzt: Schöne Ferien für alle!



Jul
16
Einsortiert unter (Allgemein) von traduction.allemand am 16.07.2007

Ich lasse Euch einfach mal anhören, wie eine Schweizer Familie, die ich bei einem Abstecher in eine kleine Straße in Zittau traf, unser großes Europa entdeckt…

Wir werden sie sicherlich Freitag in Görlitz-Zgorzelec bei unserem Begegnungstag treffen (siehe “Detailliertes Programm” oben links auf der Homepage, unter dem Flyer…)

Französischmp3



Jul
15
Einsortiert unter (Großhennersdorf, Allgemein) von traduction.allemand am 15.07.2007

Großhennersdorf hat mich wirklich gezeichnet. Vielleicht weil Rebecca mir zu Treffen mit Menschen verholfen hat, von denen einer engagierter als der andere in seinem Projekt ist. Sie sollte ein Dorfinformationsbüro aufmachen: Sie überzeugt geradezu die Leute, sich in der Gemeinde niederzulassen. Neuestes Beispiel: Andreas, Rebeccas neuer Nachbar, der das Wochenende mit uns verbracht und sich tatsächlich entschlossen hat, den benachbarten ehemaligen Kindergarten auszubauen. Er teilt sich den Pachtvertrag unter anderem mit Sven.

Sven ist 29, kommt aus Stuttgart, hat in Berlin studiert und sich dann in Großhennersdorf verliebt, als er bei einem Reiseumweg auf der Suche nach alternativen Kulturprojekten hier vorbei kam. Das hat er mir am Sonntag Abend erzählt, nachdem er mich seinen Internetanschluss hat nutzen lassen und eine Flasche Wein aus seiner Region geöffnet hat, um das Wochenende ausklingen zu lassen. Leider kann Sven seinen Beruf als Bühnenbildner in Großhennersdorf derzeit nicht ausüben, obwohl er alles versucht und Antrag über Antrag ausgefüllt hat, um einen Teil des Bauernhofes renovieren zu lassen, der zum Dorfplatz gehört, und daraus ein Kulturzentrum mit Theaterbühne zu machen. Alles ist schon da, selbst das Schild “mit Unterstützung der Europäischen Union” an der Fassade. Trotzdem wird die Umsetzung einfach nicht konkretisiert… Sven konnte nicht länger ohne Arbeit leben und musste deswegen, wie so viele junge Leute, die Region verlassen, auf die er ein Auge geworfen hatte. Richtung Osnabrück. Die Kartons sind schon gepackt, aber sein Zuhause bleibt vorerst Großhennersdorf. Wer weiß, vielleicht hört man ja in Brüssel von seinem Traum?



Im “Begegnungszentrum im Dreieck“, um genauer zu sein, noch so ein Wahnsinnsprojekt! Ich beginne zu begreifen, dass Großhennersdorf ein sehr besonderes Dorf ist, mit gewissem kulturellen Wetteifer… und ich frage mich, ob ich es wirklich eines Tages auf dem Fahrrad verlassen werde, denn Rebecca hört einfach nicht auf, mir immer neue Leute mit immer interessanteren Initiativen und Projekten vorzustellen.

Diesmal sind wir auf einem alten Bauernhof in der typischen Bauweise der Region, in den 90er Jahren gerettet vor dem Verfall. “Die Gebäude wurden aufgekauft, und wir haben fast zehn Jahre gebraucht, um sie zu renovieren”, erzählt Mechthild, die in erster Linie für die Theaterworkshops der Jugendlichen verantwortlich ist. “Internationale Workcamps und dann, seit 1997, die Mithilfe von Zivis hat uns erlaubt, die Arbeiten fertig zu stellen.” Und das hat sich gelohnt, das Gebäude ist wirklich ein Pracht!

Seit 1999 finden hier interkulturelle Seminare für Jugendliche statt, ebenso wie Weiterbildungen für “Multiplikatoren” interkultureller Arbeit (Veranstalter, Lehrer etc.). Musik- und Theaterworkshops; Video- und Webdesign gibt es das ganze Jahr über. Es bestehen Partnerschaften mit den Schulen der Region, auf deutscher, polnischer und tschechischer Seite, daher auch der Name “Dreieck”, den die Region ebenso wie das Zentrum trägt. “Die Teilnehmer beherrschen immer besser die Sprache des Anderen”, bemerkt Mechthild, und fügt hinzu: “es sind vor allem die Tschechen und Polen, die immer besser detusch sprechen…”

An diesem mehr als sonnigen Sonntag präsentieren Barbara und Elkin eine Vorführung kolumbianischer Pantomimen. Elkin kommt aus Kolumbien und versteht es hervorragend, sein Publikum mit lustigen Gesten und Mimiken mitzureißen. Lustig, für die Kleinen und Großen, aber auch mit ein wenig Ernst. Elkin hofft im Anschluss zum Internationalen Mimenfestival nach Périgueux zu fahren, aber dafür braucht er noch die nötigen Papiere, d.h. die Erlaubnis, sich in unserem ehrwürdigen Europa frei zu bewegen. “Ach ja, die Grenzen…” Was gibt es nicht alles noch zu erzählen! Bei einem Abstecher in ein Café schlagen Barbara und Elkin vor, uns in Görlitz-Zgorzelec wieder zu treffen und den Veloblog-Begegnungstag nächsten Freitag mit zu gestalten. Falls Elkins Behördengänge das erlauben.

Fortsetzung folgt!



Jul
15
Einsortiert unter (kolumbianischer Pantomimen, Begegnungszentrum im Dreieck, Allgemein) von traduction.allemand am 15.07.2007

Es ist kein Zeichen meines Patriotismus, sondern ein Vorschlag von Rebecca: am Sonntag morgen zum Frühstücksbuffet in die alte Bäckerei zu gehen, ist hier quasi Tradition. Man trifft sich oft mit Freunden im Hof des Hauses, das seit etwa 15 Jahren zwei sehr aktive Vereine beherbergt: die Umweltbibliothek (darauf kommen wir noch zurück) und ein kleines Kino. “Das kleinste Kino Deutschlands”, sagt mir Antje, die dort seit mehreren Jahren ehrenamtlich arbeitet und fleißig Formulare ausfüllt, um Subventionen zu bekommen.

Das Kunstbauerkino hatte bis September 2005 nur 24 Plätze und hat deren jetzt 62. Jeden Monat werden vier oder fünf Filme gezeigt, immer ein Woche lang, von Donnerstag bis Dienstag. Und nicht irgendwelche, bittesehr: Das Kino wurde 2006 für sein “besonders gutes Programm” ausgezeichnet (BKM - Kinoprogrammpreis 2006). Rebecca freut sich auch über dieses kulturelle Angebot, das es ihr unter anderem vor kurzem erlaubte, mehr über unsere Edith Piaf zu erfahren…

Jedes Jahr organisiert das kleine Kino auch das Neisse-Filmfestival und richtet es aus. Die vierte Auflage davon hat im letzten Mai stattgefunden. Es handelt sich dabei um eine Plattform für junge Regisseure und Schauspieler aus Osteuropa, speziell Polen und Tschechen, erklärt mir Antje. Eine trinationale Jury (deutsch, polnisch, tschechisch) vergibt einen Preis für den besten Film, um die gegenseitige Unterstützung und die Kooperation zwischen den Ländern anzuregen. Zusätzlich zur Ausstrahlung der Filme, die in mehreren Kinos der Region stattfindet, wird in der Festivalwoche ein Regie-Workshop für Jugendliche angeboten. “Das Festival zieht nicht nur die Bewohner aus einem Umkreis von 50 Kilometern an, sondern auch Kinofans und Journalisten mehrerer Länder”, erzählt Antje.

Treffen wir uns also nächsten Frühling auf einen Film mit Frühstück in der Alten Bäckerei?



Endlich ist es soweit, ich kann Euch die ersten Berichte liefern, und das Ganze ohne eine einzige Pedalumdrehung!

Nach der Ankunft am Bahnhof von Zittau folgte ich genau den Anweisungen meiner Gastgeberin Rebecca und hievte mein Fahrrad in den Bus, um so ganz bequem Großhennersdorf zu erreichen, ein Dorf mit etwas mehr als 1600 Einwohnern, das ca. 12 km von Zittau entfernt Richtung Löbau liegt.

Rebecca erzählt wunderbar von ihrem Dorf, sie lebt seit 1995 in der Gegend, nachdem sie als junge Amerikanerin eine Zeitlang davon träumte, als protestantische Missionarin nach Russland zu gehen. Ich für meinen Teil werde Euch die Geschichte des Behindertenzentrums erzählen. Alles begann im 18. Jahrhundert, mit der adligen Familie derer von Gersdorf, die hier ein bescheidenes Schloss besaß. Mit einer für die Zeit ziemlich revolutionären Idee beschloss eine große Dame, eine Schule zu errichten, die nicht nur für alle Kinder der Gemeinde offen, sondern deren Besuch auch für alle Pflicht sein sollte: der “Katharinenhof“, der im Laufe der Zeit das Behindertenzentrum des Dorfes wurde.

Und seine Geschichte erzählt das Zentrum auch selbst: Da gibt es die Stele, die an die Verschleppung von mehr als 150 behinderten Kindern durch die Nazis erinnert; aber es gibt dort auch die Umweltbibliothek und die Alte Bäckerei. Denn zu DDR-Zeiten, so erklärt mir Rebecca, ermöglichte es die Fürsorge für Menschen mit Behinderungen, nicht allzu sehr mit dem politischen Regime in Berührung zu kommen, am Rande der Gesellschaft zu leben - mit dem Resultat, dass mehrfach Menschen, die mit dem Regime nicht einverstanden waren, nach Großhennersdorf kamen, um dort im Behindertenzentrum zu arbeiten. Dies bot die Möglichkeit, sich zu treffen und alternative Projekte zu entwickeln, die noch heute bestehen… Und das Behindertenzentrum bleibt der Hauptarbeitgeber des Dorfes, während die LPGs (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften) made in DDR schon lange aufgegeben wurden.

Das ist für einen ersten Artikel vielleicht kein sehr fröhliches Thema, aber dennoch: ein gutes Beispiel für die Integration von Menschen mit Behinderung.

Morgen nimmt Rebecca mich mit zu ihrem Nachbarn, dem Mann von der Umweltbibliothek, da werden wir über dieses Dreieck (oder ist es ein Punkt?) sprechen, wo sich die deutsch-polnische und die polnisch-tschechische Grenze berühren. Aber vorher werde ich mich dem wunderbar weichen Bett überlassen: Man kann ja nie wissen!



Jul
14
Einsortiert unter (Hospitality Club, Deltoidea, Sprachpunkt, Allgemein) von Charlotte am 14.07.2007

Noch bis über beide Ohren in den letzten Vorbereitungen war die erste/ letzte Herausforderung zu meistern: ein kleiner Abschiedsabend vor dem Start mit den Berlinern, die Wind von dem Projekt bekommen hatten… und das Ganze während das Fahrrad noch nicht einmal beladen war! Die Operation war erfolgreich, dieser kleine Kreis traf sich in Kreuzberg in der Sprachschule PSP Sprachpunkt, um die letzten Neuigkeiten vom Veloblog zu erfahren oder sich von einer Installation von Deltoidea zerstreuen zu lassen. Den Rest lasse ich Euch in Bildern entdecken und setze mich selbst in den Zug Richtung Zittau, dem Startpunkt des großen Abenteuers, ganz am südlichen Ende der deutsch-polnischen Grenze.

Und schon beginnt das Abenteuer: Auf der Bahnlinie zwischen Horka und Görlitz ist eine Baustelle, Fahrradreisende müssen den Umweg über Cottbus und Dresden nehmen. Die Züge sind verspätet, die Anschlüsse knapp, aber bis jetzt gibt es immer jemanden, der einen zu ein wenig Sport auf dem Bahnsteig animiert! So hoffe ich doch noch pünktlich bei meiner Gastgeberin anzukommen, die ich gestern Abend über Hospitality Club gefunden habe. Diese Plattform, die Unterkünfte für alle netten Weltenbummler bietet, ist gerade von einem jungen Dresdner ins Leben gerufen worden…



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