Jul
16
Einsortiert unter (Allgemein) von traduction.allemand am 16.07.2007

Ich lasse Euch einfach mal anhören, wie eine Schweizer Familie, die ich bei einem Abstecher in eine kleine Straße in Zittau traf, unser großes Europa entdeckt…

Wir werden sie sicherlich Freitag in Görlitz-Zgorzelec bei unserem Begegnungstag treffen (siehe “Detailliertes Programm” oben links auf der Homepage, unter dem Flyer…)

Französischmp3



Jul
15
Einsortiert unter (Großhennersdorf, Allgemein) von traduction.allemand am 15.07.2007

Großhennersdorf hat mich wirklich gezeichnet. Vielleicht weil Rebecca mir zu Treffen mit Menschen verholfen hat, von denen einer engagierter als der andere in seinem Projekt ist. Sie sollte ein Dorfinformationsbüro aufmachen: Sie überzeugt geradezu die Leute, sich in der Gemeinde niederzulassen. Neuestes Beispiel: Andreas, Rebeccas neuer Nachbar, der das Wochenende mit uns verbracht und sich tatsächlich entschlossen hat, den benachbarten ehemaligen Kindergarten auszubauen. Er teilt sich den Pachtvertrag unter anderem mit Sven.

Sven ist 29, kommt aus Stuttgart, hat in Berlin studiert und sich dann in Großhennersdorf verliebt, als er bei einem Reiseumweg auf der Suche nach alternativen Kulturprojekten hier vorbei kam. Das hat er mir am Sonntag Abend erzählt, nachdem er mich seinen Internetanschluss hat nutzen lassen und eine Flasche Wein aus seiner Region geöffnet hat, um das Wochenende ausklingen zu lassen. Leider kann Sven seinen Beruf als Bühnenbildner in Großhennersdorf derzeit nicht ausüben, obwohl er alles versucht und Antrag über Antrag ausgefüllt hat, um einen Teil des Bauernhofes renovieren zu lassen, der zum Dorfplatz gehört, und daraus ein Kulturzentrum mit Theaterbühne zu machen. Alles ist schon da, selbst das Schild “mit Unterstützung der Europäischen Union” an der Fassade. Trotzdem wird die Umsetzung einfach nicht konkretisiert… Sven konnte nicht länger ohne Arbeit leben und musste deswegen, wie so viele junge Leute, die Region verlassen, auf die er ein Auge geworfen hatte. Richtung Osnabrück. Die Kartons sind schon gepackt, aber sein Zuhause bleibt vorerst Großhennersdorf. Wer weiß, vielleicht hört man ja in Brüssel von seinem Traum?



Im “Begegnungszentrum im Dreieck“, um genauer zu sein, noch so ein Wahnsinnsprojekt! Ich beginne zu begreifen, dass Großhennersdorf ein sehr besonderes Dorf ist, mit gewissem kulturellen Wetteifer… und ich frage mich, ob ich es wirklich eines Tages auf dem Fahrrad verlassen werde, denn Rebecca hört einfach nicht auf, mir immer neue Leute mit immer interessanteren Initiativen und Projekten vorzustellen.

Diesmal sind wir auf einem alten Bauernhof in der typischen Bauweise der Region, in den 90er Jahren gerettet vor dem Verfall. “Die Gebäude wurden aufgekauft, und wir haben fast zehn Jahre gebraucht, um sie zu renovieren”, erzählt Mechthild, die in erster Linie für die Theaterworkshops der Jugendlichen verantwortlich ist. “Internationale Workcamps und dann, seit 1997, die Mithilfe von Zivis hat uns erlaubt, die Arbeiten fertig zu stellen.” Und das hat sich gelohnt, das Gebäude ist wirklich ein Pracht!

Seit 1999 finden hier interkulturelle Seminare für Jugendliche statt, ebenso wie Weiterbildungen für “Multiplikatoren” interkultureller Arbeit (Veranstalter, Lehrer etc.). Musik- und Theaterworkshops; Video- und Webdesign gibt es das ganze Jahr über. Es bestehen Partnerschaften mit den Schulen der Region, auf deutscher, polnischer und tschechischer Seite, daher auch der Name “Dreieck”, den die Region ebenso wie das Zentrum trägt. “Die Teilnehmer beherrschen immer besser die Sprache des Anderen”, bemerkt Mechthild, und fügt hinzu: “es sind vor allem die Tschechen und Polen, die immer besser detusch sprechen…”

An diesem mehr als sonnigen Sonntag präsentieren Barbara und Elkin eine Vorführung kolumbianischer Pantomimen. Elkin kommt aus Kolumbien und versteht es hervorragend, sein Publikum mit lustigen Gesten und Mimiken mitzureißen. Lustig, für die Kleinen und Großen, aber auch mit ein wenig Ernst. Elkin hofft im Anschluss zum Internationalen Mimenfestival nach Périgueux zu fahren, aber dafür braucht er noch die nötigen Papiere, d.h. die Erlaubnis, sich in unserem ehrwürdigen Europa frei zu bewegen. “Ach ja, die Grenzen…” Was gibt es nicht alles noch zu erzählen! Bei einem Abstecher in ein Café schlagen Barbara und Elkin vor, uns in Görlitz-Zgorzelec wieder zu treffen und den Veloblog-Begegnungstag nächsten Freitag mit zu gestalten. Falls Elkins Behördengänge das erlauben.

Fortsetzung folgt!



Jul
15
Einsortiert unter (kolumbianischer Pantomimen, Begegnungszentrum im Dreieck, Allgemein) von traduction.allemand am 15.07.2007

Es ist kein Zeichen meines Patriotismus, sondern ein Vorschlag von Rebecca: am Sonntag morgen zum Frühstücksbuffet in die alte Bäckerei zu gehen, ist hier quasi Tradition. Man trifft sich oft mit Freunden im Hof des Hauses, das seit etwa 15 Jahren zwei sehr aktive Vereine beherbergt: die Umweltbibliothek (darauf kommen wir noch zurück) und ein kleines Kino. “Das kleinste Kino Deutschlands”, sagt mir Antje, die dort seit mehreren Jahren ehrenamtlich arbeitet und fleißig Formulare ausfüllt, um Subventionen zu bekommen.

Das Kunstbauerkino hatte bis September 2005 nur 24 Plätze und hat deren jetzt 62. Jeden Monat werden vier oder fünf Filme gezeigt, immer ein Woche lang, von Donnerstag bis Dienstag. Und nicht irgendwelche, bittesehr: Das Kino wurde 2006 für sein “besonders gutes Programm” ausgezeichnet (BKM - Kinoprogrammpreis 2006). Rebecca freut sich auch über dieses kulturelle Angebot, das es ihr unter anderem vor kurzem erlaubte, mehr über unsere Edith Piaf zu erfahren…

Jedes Jahr organisiert das kleine Kino auch das Neisse-Filmfestival und richtet es aus. Die vierte Auflage davon hat im letzten Mai stattgefunden. Es handelt sich dabei um eine Plattform für junge Regisseure und Schauspieler aus Osteuropa, speziell Polen und Tschechen, erklärt mir Antje. Eine trinationale Jury (deutsch, polnisch, tschechisch) vergibt einen Preis für den besten Film, um die gegenseitige Unterstützung und die Kooperation zwischen den Ländern anzuregen. Zusätzlich zur Ausstrahlung der Filme, die in mehreren Kinos der Region stattfindet, wird in der Festivalwoche ein Regie-Workshop für Jugendliche angeboten. “Das Festival zieht nicht nur die Bewohner aus einem Umkreis von 50 Kilometern an, sondern auch Kinofans und Journalisten mehrerer Länder”, erzählt Antje.

Treffen wir uns also nächsten Frühling auf einen Film mit Frühstück in der Alten Bäckerei?



Endlich ist es soweit, ich kann Euch die ersten Berichte liefern, und das Ganze ohne eine einzige Pedalumdrehung!

Nach der Ankunft am Bahnhof von Zittau folgte ich genau den Anweisungen meiner Gastgeberin Rebecca und hievte mein Fahrrad in den Bus, um so ganz bequem Großhennersdorf zu erreichen, ein Dorf mit etwas mehr als 1600 Einwohnern, das ca. 12 km von Zittau entfernt Richtung Löbau liegt.

Rebecca erzählt wunderbar von ihrem Dorf, sie lebt seit 1995 in der Gegend, nachdem sie als junge Amerikanerin eine Zeitlang davon träumte, als protestantische Missionarin nach Russland zu gehen. Ich für meinen Teil werde Euch die Geschichte des Behindertenzentrums erzählen. Alles begann im 18. Jahrhundert, mit der adligen Familie derer von Gersdorf, die hier ein bescheidenes Schloss besaß. Mit einer für die Zeit ziemlich revolutionären Idee beschloss eine große Dame, eine Schule zu errichten, die nicht nur für alle Kinder der Gemeinde offen, sondern deren Besuch auch für alle Pflicht sein sollte: der “Katharinenhof“, der im Laufe der Zeit das Behindertenzentrum des Dorfes wurde.

Und seine Geschichte erzählt das Zentrum auch selbst: Da gibt es die Stele, die an die Verschleppung von mehr als 150 behinderten Kindern durch die Nazis erinnert; aber es gibt dort auch die Umweltbibliothek und die Alte Bäckerei. Denn zu DDR-Zeiten, so erklärt mir Rebecca, ermöglichte es die Fürsorge für Menschen mit Behinderungen, nicht allzu sehr mit dem politischen Regime in Berührung zu kommen, am Rande der Gesellschaft zu leben - mit dem Resultat, dass mehrfach Menschen, die mit dem Regime nicht einverstanden waren, nach Großhennersdorf kamen, um dort im Behindertenzentrum zu arbeiten. Dies bot die Möglichkeit, sich zu treffen und alternative Projekte zu entwickeln, die noch heute bestehen… Und das Behindertenzentrum bleibt der Hauptarbeitgeber des Dorfes, während die LPGs (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften) made in DDR schon lange aufgegeben wurden.

Das ist für einen ersten Artikel vielleicht kein sehr fröhliches Thema, aber dennoch: ein gutes Beispiel für die Integration von Menschen mit Behinderung.

Morgen nimmt Rebecca mich mit zu ihrem Nachbarn, dem Mann von der Umweltbibliothek, da werden wir über dieses Dreieck (oder ist es ein Punkt?) sprechen, wo sich die deutsch-polnische und die polnisch-tschechische Grenze berühren. Aber vorher werde ich mich dem wunderbar weichen Bett überlassen: Man kann ja nie wissen!



Jul
14
Einsortiert unter (Hospitality Club, Deltoidea, Sprachpunkt, Allgemein) von Charlotte am 14.07.2007

Noch bis über beide Ohren in den letzten Vorbereitungen war die erste/ letzte Herausforderung zu meistern: ein kleiner Abschiedsabend vor dem Start mit den Berlinern, die Wind von dem Projekt bekommen hatten… und das Ganze während das Fahrrad noch nicht einmal beladen war! Die Operation war erfolgreich, dieser kleine Kreis traf sich in Kreuzberg in der Sprachschule PSP Sprachpunkt, um die letzten Neuigkeiten vom Veloblog zu erfahren oder sich von einer Installation von Deltoidea zerstreuen zu lassen. Den Rest lasse ich Euch in Bildern entdecken und setze mich selbst in den Zug Richtung Zittau, dem Startpunkt des großen Abenteuers, ganz am südlichen Ende der deutsch-polnischen Grenze.

Und schon beginnt das Abenteuer: Auf der Bahnlinie zwischen Horka und Görlitz ist eine Baustelle, Fahrradreisende müssen den Umweg über Cottbus und Dresden nehmen. Die Züge sind verspätet, die Anschlüsse knapp, aber bis jetzt gibt es immer jemanden, der einen zu ein wenig Sport auf dem Bahnsteig animiert! So hoffe ich doch noch pünktlich bei meiner Gastgeberin anzukommen, die ich gestern Abend über Hospitality Club gefunden habe. Diese Plattform, die Unterkünfte für alle netten Weltenbummler bietet, ist gerade von einem jungen Dresdner ins Leben gerufen worden…



Jul
09
Einsortiert unter (deutsch-polnische Grenze, Oder-Neisse-Grenze, Veloblog, Allgemein) von Charlotte am 09.07.2007

Hallo an alle,

und herzlich willkommen auf Veloblog, das momentan anscheinend friedlicher ist als der Berliner Wetterbericht.

In den vergangenen Tagen und Nächten haben etwa 30 junge Deutsche, Franzosen, Polen… und ein Russe mit Freude und guter Laune alles daran gesetzt, den Start dieses dreisprachigen Blogs am 14. Juli zu gewährleisten.

Das sechs Wochen dauernde Abenteuer - von dem man oft hört, dass es etwas weltbewegend sei - lädt dazu ein, die Oder-Neisse-Grenze zu entdecken, die ich von Süden nach Norden mit dem Fahrrad abfahren werde. Es soll die Leser des Veloblogs mit spannenden Anekdoten sowie mit tiefgründigen Reflektionen über eine verkannte und oftmals falsch beurteilte, wunderschöne Region bereichern.

Drei Etappen werden die Reise zudem schmücken: Die drei „Begegnungstage“ in den Doppelstädten Görlitz-Zgorzelec (20. Juli), Frankfurt/Oder- Słubice (11. August) sowie in Stettin (25. August), zu denen jede/r herzlich eingeladen ist.

Es ist außerdem möglich, mich ab Stettin zu begleiten und somit eine lustige Karawane zu bilden, die entlang der Grenze fährt, von hier nach da, die das Stettiner Haff entdeckt, um dann die Ostsee und die Stadt Swinoujscie auf der deutsch-polnischen Insel Usedom zu erreichen.

Ich lade euch ein, das Programm dieses großartigen Projekts auf der Internetseite des Veloblogs zu durchstöbern, die unser Webmaster zusammengestellt hat. Ihr könnt außerdem den Newsletter und/oder den RSS-Feed abonnieren, um ja nicht den Startschuss zu verpassen.

Zu guter Letzt wird es am 13. Juli abends in Kreuzberg einen Umtrunk geben. Meine Polnischlehrerin Agnieszka öffnet mit einem Lächeln extra dafür die Türen zur Schule PSP Sprachpunkt. Ab 20 Uhr werden in der Skalitzerstraße 43 die Macher des Veloblogs auf eure Fragen antworten. In entspannter Atmosphäre könnt ihr eure mitgebrachten Getränke trinken.

Bis bald, ob hier oder dort!

Charlotte.

Auf die Frage „Warum sich in ein solches Projekt stürzen?“:
Es war die erste Fahrradtour entlang der Neisse im vergangenen Herbst, die mir unglaubliche Erinnerungen geschenkt hat… und die mir Lust gemacht hat, meine Eindrücke und Gedanken zu teilen und dazu einzuladen, die symbolhafte Oder-Neisse-Region aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Dies alles nach der Aufnahme Polens in die Europäische Union (Mai 2004) und vor der Eingliederung in den Schengener Raum, das bedeutet also in einer Phase des Übergangs zwischen Vergangenheit und Zukunft, die es in meinen Augen wert ist, dokumentiert zu werden. Es ist eine Gelegenheit, diese Grenze mit ihrer schwerwiegenden Geschichte zu überdenken, die immer noch sehr stark in den Köpfen präsent ist, aber bald der Vergangenheit angehören wird. Es ist außerdem eine Gelegenheit, gemeinsam die Radwege entlang der deutsch-polnischen Grenze zu entdecken, die Ende 2006 fertig gestellt worden sind. Und vielleicht kann es euch dazu anregen, anstelle meiner irgendwann in die Pedale zu treten?!



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