Jul
18
Einsortiert unter (Bahnhof Ostritz, Züge, Schengen, Ostritz, Grenzübergang, Görlitz-Zgorzelec, Zittau, Allgemein) von traduction.allemand am 18.07.2007

Uwe Rada hatte es mir ja gesagt: Der Bahnhof Ostritz ist ein deutscher Bahnhof auf polnischem Territorium. Was auch immer das heißt…

Entschlossen, mehr darüber zu erfahren, bin ich dorthin gefahren, um mit den Grenzbeamten zu sprechen. Der eine ist Deutscher, der andere Pole: Das ist der “one-stop”, erklären sie mir, eine gemeinsame Kontrolle, die allen Beteiligten Zeit spart - und das für den Zolldienst vorgesehene Budget beider Staaten entlastet.

Beide sind mit der Überwachung der kleinen Fußgängerbrücke über die Neiße betraut, die Ostritz mit seinem Bahnhof verbindet, der seit 1945 und der neuen Grenzziehung in Polen liegt. Ironie der Geschichte. “Unglaublich, aber wahr, auch hier muss sich Deutschland um den Grenzschutz kümmern. Wir sind hier für eine der berüchtigten Außengrenzen des Schengener Raums zuständig”, erzählt mir der deutsche Beamte nicht ohne eine gewisse Bosheit in den Augen. “Wir kontrollieren hier, um sicher zu sein, dass keine Rumänen oder Ukrainer einfach so in den Schengener Raum herein kommen.” Und er fügt hinzu, dass ab Herbst 2008 Polen die Verantwortung übernehmen wird. “Wir werden den Kollegen gerne noch ein wenig länger helfen, bis alles in Gang gekommen ist.”

Die wichtigste Aufgabe dieser Herren besteht darin, die Passagiere zu kontrollieren, die zwischen Bahnhof und Stadt hin- und hergehen. Denn die deutschen Züge, die seit mehr als 130 Jahren durch das Neißetal zwischen Zittau und Görlitz fahren, kümmern sich herzlich wenig um die Grenze und halten eben auf polnischem Boden, um den Bahnhof von Ostritz anzufahren. Mit dem Ergebnis, dass die Passagiere sowohl beim Ein- wie auch beim Aussteigen kontrolliert werden.

Glaubt also nicht, ihr könntet auf die letzte Minute noch in den Zug springen, sondern rechnet lieber ein paar Minuten mehr ein, um diese Absurdität kennen zu lernen und das Konzept der aufgelösten Grenze im Schengener Raum zu relativieren.



Jul
18
Einsortiert unter (Euroregion Neiße, PONTES, Ostritz, Kloster Sankt Marienthal, Allgemein) von traduction.allemand am 18.07.2007

Dieses Mal habe ich im Kloster Sankt Marienthal Zuflucht gefunden. Das riesige Zisterzienserkloster, direkt am Ufer der Neiße gelegen, hat stark zur Entwicklung der Grenzstadt Ostritz beigetragen, allerdings selbst nur wenig mit der Grenze zu tun.

Diese Niederlassung, die seit dem 13. Jahrhundert besteht, derzeit mitten in Renovierungsarbeiten steckt und in der noch vierzehn Schwestern leben, bietet Durchreisenden ein Dach über dem Kopf. Abgesehen von der Ruhe des Ortes, der Bibel auf dem Nachttisch und dem kleinen Jesus an der Wand ist der Unterschied zu einer Pension nicht sehr groß.

Ein für Veloblog interessanter Punkt ist allerdings das Projekt PONTES, das auch im Kloster untergebracht ist. Es gehört zum internationalen Begegnungszentrum desselben und organisiert trinationale Begegnungen in der Euroregion Neiße. “Die Organisation wurde 2002 mit dem Beginn des Programms ‘Lernende Regionen‘ des deutschen Bildungsministeriums gegründet”, erklärt mir Claudia Meusel freundlich. “PONTES entwickelt Projekte, um die Region zu entwickeln und den Bewohnern zu helfen, hier Arbeit zu finden, Männern wie Frauen.” Weitere PONTES-Zweigstellen gibt es in Polen und der Tschechischen Republik; sie beteiligen sich an der Koordinierung der verschiedenen Projekte. Seit dem EU-Beitritt und einer vereinfachten Subventionsvergabe zeigen laut Frau Meusel Polen und Tschechen immer größeres Interesse. Und dann erzählt sie leicht amüsiert, wie die gemeinsame Arbeit vonstatten geht: “Die Deutschen sind immer sehr korrekt, machen für alle Welt Kopien und sind sehr pünktlich. Die Tschechen und vor allem die Polen sind viel entspannter. Die Arbeit wird gemacht, aber manchmal muss man das Ganze fünfmal wiederholen!” Im Gegenzug beherrschen immer mehr Polen und Tschechen die Sprache Goethes. Vielleicht, weil die Begegnungen meist im Kloster Sankt Marienthal stattfinden, wegen der dort vorhandenen Ausstattung?

PONTES ist derzeit mitten in einer Umstrukturierungsphase. Das Programm “Lernende Regionen” ist ausgelaufen, nun müssen Abschlussberichte verfasst und neue finanzielle Unterstützungen gefunden werden. Aber Frau Meusel macht sich keine Sorgen, das Abenteuer wird weitergehen, die vierzehn Beschäftigten von PONTES und ihre Partner werden sich weiter verausgaben, um Projekte zur Dynamisierung der Euroregion Neiße zu organisieren.



Jul
17
Einsortiert unter (Ostritz, Posada, Radweg, Kloster Sankt Marienthal, Grenzübergang, Allgemein) von traduction.allemand am 17.07.2007

Jetzt kennt ihr meine Stimmungsschwankungen. Vielleicht eine etwas lebendigere Art, Euch die beiden möglichen Routen zwischen Zittau und Ostritz, einer kleinen Stadt etwas weiter nördlich an der Grenze, vorzustellen. Mit einer Anekdote im Vorbeifahren…

Auf deutscher Seite gibt es einen Radweg entlang der Neiße, wo man im Schatten und im Flachen mitten durch den Wald fahren kann. Toll!

Auf polnischer Seite gibt es keinen Radweg, aber eine gut ausgebaute, wenig befahrene Straße. Das erlaubt es einem, das wirtschaftliche Herz der Region kennen zu lernen, allerdings muss man einige kleine Steigungen in Kauf nehmen. Aber wer hochfährt, fährt auch wieder runter. Und der Ort Posada, nicht weit von der Neiße, ist so malerisch, dass sich der Umweg lohnt.

Und falls es unmöglich sein sollte, vom besagten Dorf aus die Neiße zu überqueren, um das Kloster Sankt Marienthal zu erreichen, dann gibt es immer noch einen kleinen Waldweg, der einen zum nächsten Grenzübergang in Ostritz führt. Das haben mir einige Polen aus ihrem Vorgarten heraus versichert. “Die Grenze? Geradeaus und dann links.”

Mir kommen leichte Zweifel, als ich den Weg zum Pfad werden und die Mücken heranschwärmen sehe, und ein kurzes Gedenken an meine Polnischlehrerin in der Hoffnung, alles richtig verstanden zu haben. Denn es wird langsam dunkel… und ist da nicht am Wegesrand… oh Graus, eine kleine Blindschleiche wird von Fliegen verzehrt! Ich stoße kleine Schreie aus: die Panik steigt, die Phobie ist nicht weit! Ich glaube, ich bin noch nie so schnell gefahren, im Wald und mit halbgeschlossenen Augen.

Ein kleiner Durchdreher, der mir allerdings gestattet hat, den Grenzübergang für Fußgänger und Fahrradfahrer in Ostritz um zwei Minuten vor acht zu erreichen, und um acht schließt er…



Jul
17
Einsortiert unter (Elektrizitätswerk, Hirschfelde, Tagebau, Bogatynia, Regionalarchitektur, Turów, Allgemein) von traduction.allemand am 17.07.2007

Ein wenig aus der Fassung gebracht von dem “Loch”, wandern meine Gedanken. Ach, was wäre es praktisch, einen Grenzübergang zu haben, um “nach drüben” zu kommen, nach Hirschfelde, um etwas über das ehemalige E-Werk zu erfahren. Eine Brücke ist zwar tatsächlich in Planung, lässt aber noch auf sich warten.

Gedankenverloren habe ich mich doch jetzt auch noch auf der Straße verfahren! Viel zu weit östlich der Grenze komme ich auf einmal nach Bogatynia. Bis ich merke, dass ich keinen Pfennig mehr habe, um meine Flasche aufzufüllen. Keinen einzigen Zloty. Was für eine Gedankenlosigkeit! Glücklicherweise ist der nächste Geldautomat nicht weit und ich kann mein erstes polnisches Geld abheben, dank meiner EC-Karte und ohne Gebühren, Europa verpflichtet eben.

Mit aufgefülltem Vorrat nutze ich dann noch die Gelegenheit, die Stadt zu besichtigen und mir die vielen Häuschen im regionaltypischen Stil anzusehen (”Umgebindehäuser”)… und weitere Infos zu erfragen über die Schlote bei Turów (2, 3).

Die Antwort gibt der Hausmeister der Bioraffinerie von Bogatynia:
polonaismp3



Jul
17
Einsortiert unter (Elektrizitätswerk, Tagebau, Bogatynia, Turów, Allgemein) von traduction.allemand am 17.07.2007

Es ist der große graue Fleck auf der Landkarte, der mich dazu gebracht hat, die Grenze zu überqueren. Ich wollte sie sehen, den Kohle-Tagebau von Turow, selbst unter dieser brennenden Frühnachmittagssonne.

Sie haben nämlich eine ganz schön lange Geschichte, diese Minen: mehr als 200 Jahre! Der Abbau, in dem heute mehr als tausend Menschen beschäftigt sind, befindet sich auf polnischer Seite in Turoszow, ehemals Türchau in Deutschland. 1945 bedingte die Einrichtung der “Friedensgrenze” einen Wechsel der Leitung. Die Minen wurden polnisch. Mehr als 300 deutsche Arbeiter sollen entlassen und durch Polen ersetzt worden sein. Vor dem Bau des Elektrizitätswerks Turow, nördlich von Bogatynia (Polen), wurde der Strom auf deutscher Seite in Hirschfelde erzeugt und dann nach Polen weitergeleitet. Reichlich Anlass für Ressentiments!

Nichtsdestotrotz bleibt dieser Ort unbeschreiblich. Ein riesiges Loch von mehr als 2600 Hektar. Stellt euch das nur mal vor! Es ist ganz einfach unmenschlich, wie eine Wüste, aber keine natürliche. Trotz der brennenden Sonne habe ich noch immer Gänsehaut davon und lasse Euch den Rest in Bildern (2,
3, 4, 5, 6)
entdecken. Die Hartgesottensten können selber hinfahren und nach einer Führung fragen. Die Umweltbibliothek von Großhennersdorf macht es möglich…



Jul
17
Einsortiert unter (Basar, Grenzübergang, sieniawka, Zittau, Allgemein) von traduction.allemand am 17.07.2007

Jetzt ist es soweit, ich stehe vor meinem ersten Grenzübergang! Ich durchwühle meine ganze Tasche, um meinen Pass zu finden, der dann nicht einmal einen Stempel bekommt… Kurzum: Das Abenteuer geht weiter, diesmal auf der polnischen Seite in Sieniawka. Vor dem Basar, der sich vor meinen Augen ausbreitet, entscheide ich, die Klischees zu überprüfen.
Begegnung mit einem deutschen Verbraucher, vor Ort getroffen:
allemandmp3

Begegnung mit einer polnischen nicht Zigaretten, sondern Obst- und Gemüsehändlerin:
polonaismp3



Jul
17
Einsortiert unter (Oberlausitz, Stiftung Umgebindehaus, Regionalarchitektur, Allgemein) von traduction.allemand am 17.07.2007

Ich hatte sie schon bemerkt, diese hübschen Häuschen, die häufig im alten Zentrum der Dörfer dieser Gegend stehen. Aus Holz und Lehm, umweltfreundlicher geht es nicht! Sehr hübsch, aber häufig auch leerstehend und/oder renovierungsbedürftig.

Rebecca hatte sie mir vorgestellt als die Häuser der Weber der Region, denn ihre Bauweise war an die Erschütterungen des Webstuhls angepasst. Aber was zuerst da war, die Häuser oder die Webstühle, das weiß keiner.

Marek, aus der Zittauer WG, hat sich buchstäblich in diese Häuschen verliebt, die “Umgebindehäuser” heißen. Er unterstützt Die Stiftung Umgebindehaus, die auf die Erhaltung dieses Kulturerbes achtet. Zur Zeit gibt es etwa 20 000 dieser Häuser nicht nur in der deutschen Oberlausitz (der Teil Sachsens zwischen Weißwasser, Bischofswerda, Zittau und Görlitz), sondern auch in Polen (südlich der Neiße) und im Norden der Tschechischen Republik.

Das Problem, so erklärt mir Marek, während er mich auf dem Fahrrad bis zum nächsten Grenzübergang begleitet, ist, dass nur wenige Menschen in die Region ziehen, um hier zu arbeiten, und dass diejenigen, die hier bleiben, meist keinen Arbeitsvertrag haben, der ihnen erlauben würde, ein solches Haus zu kaufen. Und das tut ihm im Herzen weh. Die Häuser sind dabei zu verfallen, langsam aber sicher. Zwischen Löbau und Zittau zum Beispiel wurden 5000 Häuser gelistet, 4750 sind als historisches Denkmal klassifiziert, aber 375 stehen leer. Ein Stück Geschichte, dass zu verschwinden droht… Daher auch die Initiative einer “Hausbörse”, die die Stiftung Umgebindehaus ins Leben gerufen hat. Derzeit stehen etwa 100 hübsche Häuschen zum Verkauf: Also macht Marek doch eine Freude!



Jul
16
Einsortiert unter (Zittau) von traduction.allemand am 16.07.2007

Nein, ich will Euch weder von der trinationalen Zucht von Ökotomaten entlang der Grenze erzählen, noch von meinem so heldenhaft vor der Abreise erworbenen Zelt sprechen… Sondern Euch nur ein wenig verdeutlichen, wie es sich mit dem Veloblog lebt.

Von Projekt zu Projekt springen, ist schön und gut, nur muss man auch immer noch die Zeit und einen Internetzugang finden, um Euch davon zu erzählen, möglichst auch noch mit Bildern. Zeit zum Suchen von Schlafplätzen zu finden, ist noch ein ganze andere Geschichte. Mit dem Ergebnis, dass ich dazu übergegangen bin, alles zu kombinieren, meine Gesprächspartner zu fragen, ob sie nicht zufällig, wenn es nicht zu viel verlangt ist, eine Übernachtungsmöglichkeit kennen, einen Garten vielleicht oder eine WG… und ob sie nicht, auch zufällig, vielleicht einen vernünftigen Internetzugang hätten.

In Großhennersdorf - seit jeher ein alternatives Dorf, so versichert man mir immer wieder, oft mit einem hinzugefügten “selbst zu DDR-Zeiten” - hat das alles mehr als gut geklappt. Ebenso in Zittau: Kamil, der Tschechischlehrer der Schkola, hat mich in eine WG mitgenommen, die mehr als nett war - und außerdem mit Internetzugang ausgestattet.

Und wo ist dabei der Garten? Also, wie das Glück es wollte, hatten die WG-Bewohner für diesen Abend eine Grillparty in ihrem Garten organisiert, zu der ich freundlicherweise eingeladen wurde. Junge Deutsche, Polen und Tschechen waren da: “Ein echtes Drei-Länder-Grillen, extra für dich!”, scherzte einer der Anwesenden. Einige von ihnen sind in Deutschland, um ihre Muttersprache zu unterrichten, würden aber lieber in ihrem Mutterland deutsch unterrichten.

Diesem kleinen Kreis gefällt es in Zittau, sie loben mir gerne die Vorzüge der Region. Ich habe mich fast von den Erzählungen der einen und der anderen verführen lassen, von den Einladungen zum Baden, Klettern oder zur Fahrt mit der Zittauer Schmalspurbahn ins Zittauer Gebirge gleich nebenan… Leider hat das alles nichts mit der Oder-Neiße-Grenze zu tun: Also muss ich meine Sachen packen und weiterfahren, den Kopf voller schöner Erinnerungen.



Jul
16
Einsortiert unter (Konschak, Zittau, trinationale Universität, IHI, Internationale Hochschulinstitut, Allgemein) von traduction.allemand am 16.07.2007

Nicht weit vom Zittauer Rathaus zeigt das Internationale Hochschulinstitut - besser bekannt als IHI - sein europäisches Gesicht. 1993 beschlossen fünf Hochschulen aus Deutschland (Zittau/Görlitz, Freiberg), Polen (Wrocław, Gliwice) und der tschechischen Republik (Liberec) zusammenzuarbeiten, um eine qualitativ hochwertige Lehre für Studierende anzubieten, die bereits das Äquivalent eines Bachelorabschlusses in ihrem jeweiligen Land besitzen. Eine trinationale Universität voller Ehrgeiz!

Wiederum handelt es sich um ein Projekt, das sich kurz nach der deutschen Wiedervereinigung nicht um Grenzen schert. Man muss dazu sagen, dass das Hochschulwesen - wie auch das sekundäre Bildungswesen - in Ostdeutschland völlig umgestürzt wurde. In einigen Regionen, wie z.B. Brandenburg, bekamen fast alle Hochschulen der Ex-DDR den Status von Universitäten, in anderen dagegen wurden sie um einen Grad herabgestuft, wie z.B. die Technische Hochschule Zittau, die seitdem einen Fachhochschulähnlichen Status hat. Es bot sich daher an, eine universitäre Präsenz in der Region zu schaffen. Und wie auch Rebecca diese Wochenende bemerkte, wurden sich die drei Länder schon Anfang der 90er Jahre der Bedeutung für die Region bewusst, die eine Zusammenarbeit im Bereich der Ökologie hat nach den politisch gewollten Industrieunternehmungen, von denen eine verheerender als die andere für die Umwelt war. Meine Gastgeberin hatte mir erklärt, dass zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung die tschechischen Wälder in einem Massensterben begriffen waren, weil der Regen durch die benachbarten Fabriken unglaublich verseucht war. Kurzum, alles war sich einig, das IHI aus der Taufe zu heben.

Ich habe sogar noch mehr erfahren über die Funktionsweise dieser Miniuniversität, nachdem ich die Sekretärinnen überzeugen konnte, mir auch ohne vorher vereinbarten Termin ein Gespräch mit einem der Verantwortlichen zu ermöglichen…
Und so breitet Frau Konschak, die Verwaltungschefin, eine ganze Reihe beeindruckender Zahlen vor mir aus: 80% der Studierenden sind Ausländer, davon 60% Polen, aber es gibt auch viele Tschechen und Deutsche und noch andere, neun verschiedene Nationalitäten. Lediglich 300 Studierende werden pro Jahr angenommen, sorgsam ausgewählt von ihren Heimatunis: “Eliteuni verpflichtet”, gibt man mir zu verstehen.

Das IHI ist die fünfte sächsische Universität. Eine öffentliche Hochschule mit geringeren Kosten für die Studierenden, denn der Semesterbeitrag hält sich in Sachsen noch in Grenzen (um die 50€ pro Semester). Das IHI ist für ausländische Studierende attraktiv, weil sie ein Stipendium bekommen, um die Lebenshaltungskosten in Zittau auszugleichen, sagt mir Maxi, deutsche Studentin am IHI. Maxi kommt aus Thüringen. Wie die anderen Studenten des IHI hat sie ihr Studium an einer anderen Universität begonnen, bevor sie ans IHI kam. “Die Studierenden, die hierher kommen, haben schon eine Grundausbildung, sie kommen, um sich zu spezialisieren, um einen deutschen Universitätsabschluss zu bekommen”, erklärt Frau Konschak, um dann den trinationalen Mechanismus zu verdeutlichen: “Der Unterricht findet in deutscher Sprache statt, deren Beherrschung ist daher eine conditio sine qua non für die Ausländer. Was die Deutschen betrifft, so lernen sie entweder polnisch oder tschechisch.” Maxi hat tschechisch gewählt: Vielleicht wegen Prag, das weiß sie nicht so genau. Mit einem Lächeln erklärt sie, wie die interkulturelle Ausbildung vor sich geht: “Wir lernen den anderen verstehen, die kulturellen Unterschiede. Beispielsweise erklärt man uns, dass die Deutschen tatsächlich die Arbeit vom Rest trennen, während die Polen und auch die Tschechen mit ihren Arbeitskollegen viel von ihrem Privatleben und ihrer Familie reden.” Und lachend fügt sie hinzu, dass selbst im Unterricht die tschechischen und polnischen Studenten viel lachen und reden. “Die interkulturelle Ausbildung erlaubt es, die Unterschiede zu verstehen und sich besser verhalten zu können, z.B. beim Geschäfte machen, bei Vertragsabschlüssen und so”, sagt Frau Konschak.

Das Abenteur dauert sechs Semester und soll den Absolventen ermöglichen, leicht ein schönes Plätzchen an der Sonne zu finden, auf der einen oder anderen Seite der Grenzen.



Jul
16
Einsortiert unter (Schkola, Partnerschule, Hartau, drei Länder Ecke, Allgemein) von traduction.allemand am 16.07.2007

Nun bin ich südlich von Zittau, dort, wo deutsch-polnische und deutsch-tschechische Grenze sich schneiden und der Region den Spitznamen “Dreiländereck” eingetragen haben. Genauer gesagt, in der Grundschule des Dorfes Hartau (450 Einwohner), deren Leiter ich beim Frühstück getroffen habe, in der Alten Bäckerei von Großhennersdorf

Die Kinder spielen in der Sonne im Garten, die Ranzen sind im Klassenzimmer geblieben: Die großen Ferien nahen. Einige Kilometer von hier, auf der tschechischen Seite, haben die kleinen Schüler der Partnerschule schon seit Anfang des Monats Ferien. Die nächsten “Begegnungstage” werden zu Beginn des nächsten Schuljahres stattfinden.

Hier, in der “Schkola“, läuft alles ein bisschen anders. Die Frontalsituation zwischen Lehrer und Schülern gibt es nicht, die Kinder sind nicht nach Alter in Klassen aufgeteilt, und dann arbeitet man auch mit dem Nachbarland zusammen, also der Tschechischen Republik. Einmal in der Woche wird die Grenze überquert, von der einen oder anderen Seite. “Früher gaben wir den Grenzbeamten eine Liste der Schüler, das reichte, aber jetzt ist es wieder ein bisschen komplizierter”, erklärt Kristin, Klassenlehrerin einer der vier Klassen der Schule. “Die Kinder dürfen ihren Ausweis nicht vergessen, sonst müssen sie in der Schule bleiben.” Aber deswegen wird die Grenze noch lange nicht als Last empfunden: “Wir überqueren die Grenze so oft, das ist schon nichts besonderes mehr.”

Und die Schkola hat mit ihrem Start nicht bis zum EU-Beitritt der tschechischen Republik (Mai 2004) gewartet. Die Idee kam schon nach der Wiedervereinigung, als das deutsche Schulsystem in Ost und West verbindlich wurde. “Das Sortieren der Kinder gefiel uns nicht”, sagt Mike, der Leiter der Schule. “Und wir wollten mit unseren Nachbarn arbeiten. Seitdem gibt es vier private Schulen in der Gegend, die eine Kooperation mit einer polnischen oder tschechischen Schule haben.”

Das Lernen der Sprache des Nachbarn steht ebenfalls auf dem Programm. In Hartau lernen die 88 teilnehmenden Schüler also tschechisch, mit drei Wochenstunden. “Ich vermittle ihnen im Alltag nützliche Wendungen”, meint Kamil, muttersprachlicher Tschechischlehrer, der seit Gründung der Schule 1999 Teil des Teams ist. “Und am Ende der vier Jahre in der Schkola sind die Kinder in der Lage, mich zu verstehen.” Kamil gibt auch Abendkurse für die Eltern. Mehrere Familien haben schon Kontakte in die tschechische Republik geknüpft, und die Tatsache, dass die Kinder die Sprache lernen, ist manchmal eine Anregung für die Eltern, erklärt man mir. Aber es kommt ebenso häufig vor, dass die Kinder häufiger “nach drüben” gehen als die Eltern. Meistens sind die Anmeldungen auch mehr von der freien Lehrmethode motiviert als von der Partnerschaft mit dem Nachbarstaat, wie ich erfahre. Aber die Kinder stellen sich natürlich nicht so viele Fragen und versuchen einfach, während der wöchentlichen gemeinsamen Arbeit mit den Kameraden des Nachbarlandes zu kommunizieren… Nächster Termin also im neuen Schuljahr, und jetzt: Schöne Ferien für alle!



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